Heimatverein Rüthen e.V.

Gründung des Heimatvereins Rüthen vor 60 Jahren

Es ist schon erstaunlich, dass der Heimatverein Rüthen direkt ein Jahr nach Ende des 2. Weltkrieges gegründet wurde. Als am 22. April 1946 der Heimatbund Lippstadt mit 60 Mitgliedern in Rüthen zu Gast war und an eine Exkursion in Rüthen teilnahm, regte der damalige Landrat Laumanns eine Gründung einer Ortsgruppe Rüthen an. Er schlug vor, den Rektor und Heimatforscher Eberhardt Henneböhle mit dieser Aufgabe zu betrauen. Henneböhle setzte diesen Vorschlag in die Tat um und  lud kurz darauf alle Rüthener Bürger und die Bürger des Amtes Rüthen zu einer Gründungsversammlung am 19. Mai 1946 in das Kolpinghaus in Rüthen ein. Nach der Begrüßung hielt E. Henneböhle einen Vortrag über die Ziele und Aufgaben eines Heimatvereins. 35 Bürger schrieben sich anschließend in eine Mitgliedsliste ein und auch der erste Vorstand wurde gewählt. E. Henneböhle wurde 1. Vorsitzender und zum 2. Vorsitzenden wurde Johannes Arens gewählt. Das Amt des Kassierers übernahm Wilhelm Trauerlicht und  Schriftführer wurde Theodor Mertens. Weiterhin beschloss man, den Vorstand später mit geeigneten Personen aus dem Amt Rüthen zu erweitern. Direkt in der ersten Vorstandssitzung wurden Termine für zukünftige Veranstaltungen und für „Plattduitsken Oavende“ festgelegt. Es wurden Wanderungen zu den Heimatfreunden in Kallenhardt  und auch Arbeitstagungen mit dem Lippstädter Heimatbund durchgeführt. Als Winterveranstaltung wurde mit einer Laienspielschar, die aus Vereinsmitgliedern bestand, das erste Theaterstück aufgeführt. Das lustige Bühnenstück hieß: „De nigge Fürster“. Die Theateraufführungen in plattdeutscher Sprache kamen bei der Bevölkerung sehr gut an und wurden auch in den nächsten Jahren fortgeführt. Nicht alleine in Rüthen trat die Theatergruppe auf, sondern auch in der Heilanstalt in Suttrop, in Hemmern, Kallenhardt, Menzel und in Siddinghausen. Anfang 1947 beschloss der Vorstand, den Hexenturm in Rüthen auszubauen, um dann diese Räumlichkeiten als Versammlungsort zu nutzen. Bereits im Dezember 1947 konnte dort die erste Sitzung stattfinden. Da E. Henneböhle auch als Heimatforscher einen Namen hatte, führte er viele Exkursionen in Rüthen und Umgebung durch. So wurden wiederum viele Kontakte zu Nachbarstädten geknüpft. Aber es gab auch eine gute Zusammenarbeit mit des Sauerländer Gebirgsverein. Wege und Ruhebänke wurden repariert, und es wurden gemeinsam Ausflüge organisiert. Im Jahre 1948 wurde dann der Vorstand erweitert. Auf der Jahreshauptversammlung wurden folgende Rüthener in den Vorstand gewählt: Bürgermeister Johannes Krüper, Egon Arens, Johann Frisse, Dr. Viegener und Vikar Grewe. In diesem Jahr wurde auch einmalig ein „Johannisfeuer“ unter Mithilfe der Bewohner aus Hemmern auf der „Spitzen Warte“ entzündet. Es hatte die Größe eines Osterfeuers. Am 19. November 1949 wurde erstmalig an einem sogenannten Liederabend das Rüthener Lied gesungen, unter den Gästen war natürlich auch der Verfasser Wilhelm Ebel. Im Jahre 1953 legte E. Henneböhle sein Amt aus gesundheitlichen Gründen nieder. Neuer Vorsitzender wurde Amtsgerichtsrat Korte. Nach und nach  wurde der Verein aber immer mehr dem Sauerländischen Gebirgsverein angegliedert, sodass die selbstständigen Aktivitäten ausblieben. Doch damit waren nicht alle Mitglieder des Heimatvereins einverstanden. Am 23 Januar 1958 wurde eine außerordentliche Mitgliederversammlung durchgeführt, um den Heimatverein neu zu gründen. Es gab heftige Diskussionen. Der damalige Vorsitzende des Sauerländer Gebirgsvereins und der Vorsitzende des Bürgerschützenvereins sprachen sich gegen eine Neugründung des Heimatvereins aus. Sie waren der Meinung, dass der Sauerländer Gebirgsverein ohne weiteres die Interessen des Heimatvereins mit vertreten könne. Wahrscheinlich fürchtete der Sauerländer Gebirgsverein den Verlust von Mitgliedern, die sich dann dem  Heimatverein zuwenden würden. Diese Sorge hatte der Sauerländer Gebirgsverein bereits vor der ersten Neugründung im Jahre 1946. Trotz aller Diskussion wurde der Heimatverein an diesem Abend neu gegründet und auch ein neuer Vorstand wurde gewählt. Frau Maria Helle übernahm den Vorsitz des Heimatvereins. Ab diesem Tag gab es auch wieder Aktivitäten des Vereins. Ausflüge wurden wieder organisiert und auch eine neue Laienspielschar wurde gegründet. Besonders kümmerte man sich um den Aufbau und Abbrennen des jährlichen Osterfeuers. Das bisherige Osterfeuer konnte nicht mehr am Schneringerberg  aufgebaut werden, da dort das Krankenhaus gebaut wurde. Der Aufbau des Osterfeuers am Schneringerberg wurde bis dahin immer von den Bürgern der dortigen Nachbarschaft durchgeführt. Der Heimatverein hatte am Friedhof eine Wiese angepachtet und von nun an wurde das Osterfeuer dort abgebrannt. Auch wurde im Jahre 1958 im Auftrage des Heimatvereins ein Film über Rüthen gedreht, mit dem Titel „Bei uns zu Haus“. Im Jahre 1963 legte Maria Helle ihr Amt nieder und fungierte nur noch als Schriftführerin. Neuer Vorsitzender wurde Theodor Mertens, der auch die Aktivitäten des Vereins weiter führte. Im Jahre 1964 wurde in Rüthen der 2. Kreisheimattag des Kreises Lippstadt durchgeführt. Im Jahre 1970 gab es wieder einen Wechsel an der Spitze des Vereins. Fritz Sprenger wurde neuer Vorsitzender, doch durch Krankheit des Vorsitzenden und einiger anderer Vorstandsmitglieder kam die Vereinsarbeit kurz darauf zum Erliegen. Dann verstarb der Vereinsvorsitzende und sechs Jahre lang wurde keine Jahreshauptversammlung mehr durchgeführt. 1983 übernahm Josef Fahle mit einem neuen Vorstand die Führung des Vereins. Nach anfänglichen Aktivitäten beschränkte man sich nur noch auf einen Ausflug im Jahr. Da die meisten Mitglieder des Vorstandes aus Altersgründen nicht mehr im Vorstand mitarbeiten wollten und es ein Nachwuchsproblem gab, stand der Verein im Jahre 1999 kurz vor der Auflösung. Auf einer außerordentlichen Versammlung im September 1999 erklärten sich jedoch einige Stadtführer bereit, den Verein weiterzuführen. Es gab einen Generationswechsel und als Vorsitzender wurde Hermann J. Krämer gewählt. Zu dieser Zeit hatte der Verein nur noch 25 Mitglieder. Sofort machte sich der neu gewählte Vorstand an die Arbeit. Die Mitgliedsbeiträge wurden erhöht und der Verein mit einer neuen Satzung ins Vereinsregister eingetragen. In den Folgejahren wurden wieder Ausflüge und auch Dia- und Filmabende durchgeführt. Außerdem wurden verschiedene Objekte in Angriff genommen. Der Heimatverein Rüthen hat viele Höhen und Tiefen durchlebt und gerade auch die schweren Jahre der Nachkriegszeit überstanden. Heute hat der Heimatverein Rüthen e. V. mehr als 300 Mitglieder und es bleibt nur zu hoffen, dass auch die nachfolgenden Generationen sich unserer Heimat bewusst werden und unser Erbe fortführen.